Von der Entwicklung der Sofortbild-Kamera

Wie das Bild weg vom Film kam

Erinnerungen nicht nur digital festhalten, sondern direkt ausgedruckt in den Händen halten – das kann eine Sofortbild-Kamera. Doch wie kam es zu dieser genialen Erfindung?

Heute schon eine wahre Rarität – die Polaroid Kamera. Was früher ein Hingucker war, ist heute insbesondere auf Partys und bei außergewöhnlichen Ereignissen sehr beliebt, verbreitet sie doch Spaß und Stimmung wo immer sie auftaucht. In Fotostudios hingegen findet man die Technik der Sofortbildkamera hingegen nur noch selten an und wenn, dann zumeist eher zu Testzwecken als für professionelle Bilder. Doch auch das war einst anders….

See it, snap it – eine Idee wird Wirklichkeit

Die Geschichte der Polaroid Kamera beginnt in den 40er Jahren. Zu einer Zeit, in der die kleine Tochter eines Herren namens Dr. Edwin H. Land feststellte, dass ihr das Warten auf die lang ersehnten Urlaubsbilder eindeutig zu lange dauert. Zunächst verstanden Kreditgeber die geniale Idee, die hinter der sofortigen Entwicklung unmittelbar nach der Aufnahme steckt, nicht und versprachen ihr kaum Zukunftschancen. Große Entwickler lassen sich jedoch nicht entmutigen und so machte sich Dr. Land an die Arbeit – eine weise Entscheidung, denn mit ihr veränderte er die Fotografie nachhaltig bis ins 20. Jahrhundert.
Im November 1948 war es soweit: für 90 Dollar wechselte die erste Sofortbild-Kamera in Boston ihren Besitzer. Zur Herstellung der damaligen Schwarz-Weiß-Bilder wurde eine Methode von Dr. Edith Heyde genutzt. Das von ihr erfundene und 1941 patentierte Copyrapid Verfahren trennte dabei händisch das Positiv vom Negativ und war bis dato nur bei Bürokopierern zum Einsatz gekommen. Und auch die Weiterentwicklung der Kamera ließ nicht lange auf sich warten, denn schon mit dem 1963 entwickelten Farbfilm der Firma Polaroid war es möglich in weniger als 90 Sekunden ein Bild in den Händen zu halten. Schon im Jahre 1966 konnte sich die Polaroid-Kamera im Massenmarkt etablieren und machte den Hersteller zu einem Pionier in der Geschichte der Sofortbild-Kamera.

Polaroid – ein Name wird zur Marke

Der Wille des aufstrebenden Unternehmens und dessen jahrelange Forschung brachten neue Innovationen auf den Markt. Gesichert wurde die Marktposition nach weiteren 7 Jahren Entwicklungszeit durch die Einführung des sogenannten Monoblatt-Verfahren. Seit 1972 war es nun möglich, dass sich das Bild nach seinem Druck selbst entwickelte und das Negativ nicht mühselig und per Hand vom Positiv getrennt werden musste.
Mit der SX-70, einer der ersten faltbaren Sofortbildkamera in kleinem Format, war der Erfolg endgültig gesichert. Größen wie Marlene Dietrich und der Sultan von Oma machten kräftig Werbung für die Polaroid-Kamera und haben maßgeblich zur öffentlichen Anerkennung beigetragen. Nachdem die SX-70 mit Vorteilen wie ihrer schnellen Entwicklungszeit und der verbesserten Farb-Detail-Darstellung punkten konnte, kam im Jahre 1981 die „image“ Polaroid Kamera auf den Markt und brachte gleich den passenden Time-Zero-Supercolor Film mit. Aus quadratischen Bildern wurden rechteckige und das Fotografieren selbst wurde von optischen und akustischen Signalen begleitet – und dafür geliebt!

Erfolg schafft Konkurrenz

Weniger beeindrucken hingegen konnten die ersten projektionsfähigen Bilder. Sowohl Sofortdia als auch der Sofortschmalfilm gehören bis heute zu den größten Flops der Geschichte der Fotografie. Zwar wurden sie 1978 auf der Photokina vorgestellt und erhielten zunächst einige Aufmerksamkeit, doch die Zeichen der Zeit waren schneller und auch Amateurfilmer setzten auf die Einführung der Videokamera.
Kodak – kam, sah und verlor
In den Jahren zwischen 1976 und 1986 wachte auch die Konkurrenz auf. Nachdem Kodak im Jahre 1947 die Rechte an der Erfindung von Dr. Land ablehnte, brachte der Hersteller nun die Instant Color Picture Process auf den Markt. Mit Vertrauen in das Monoblatt-System wurde die Reihe der Sofortbildkameras mit dem Modell Kodamatic Instant Colour Film weitergeführt und neuartige Innovationen wie beispielsweise Trimprint festigten die Marktposition von Kodak zusehends – bis im Jahre 1990 ein geschichtsträchtiger Patentstreit sein Ende fand und Polaroid zum Marktführer machte.
Fuji – heimlich, still und leise
Anders erging es Fuji, die einen geschickten Deal mit Kodak einfädelten und 1981 eine der Kodak PR-10 sehr ähnliche Kamera auf den Markt brachten. Im Jahre 1992 folgte sogar die Einführung des Trennblattsystems in Europa. Auch Fuji verletzte die Patentrechte von Polaroid, machte aber auch hier ein geniales Geschäft: Sofern sie bereit wären ihre Kameras günstig an Polaroid zu verkaufen, dürften sie weiterhin aktiv bleiben. Wahrscheinlich war das der überragenden Qualität der Sofortbildkameras von Fuji zu verdanken, die nachfolgend nicht selten unter dem Namen Polaroids zu erwerben waren.

Sofortbildkamera-Comeback – kommt die Polaroid zurück?

Nachdem 2007 die Produktion der Polaroid Kameras eingestellt wurde, waren ab 2008 auch die Filme nicht mehr gefragt. Die Enttäuschung der bis dato zahlreichen Nutzer veranlasste aber ein holländisches Unternehmen zur Weiterentwicklung der Sofortbildkamera. Unter dem Namen „impossible Project“ investierten Dr. Florian Kaps und seine Kollegen zahlreiche tausend Euro und begannen 2010 mit der Produktion des „impossible PX“ Filmes, der zahlreiche Polaroid Kameras wieder zum Leben erweckt.

Heute erlebt die Polaroid-Kamera ein wahrliches Comeback und ist auf Events ein gern gesehener Gast. Lassen wir uns also überraschen wohin das Retro-Revival führt.